Über dieses Projekt

Schüttorf ist die älteste Stadt der Grafschaft Bentheim mit dem höchsten Kirchturm. Sie war einst Mitglied der Hanse und eine Stadt der Millionäre. Jahrzehnte lang prägte die Textilindustrie das Leben der Menschen und die Entwicklung der Stadt. Schüttorf war aber für noch längere Zeit auch eine Stadt der Handwerker, der kleinen Familienbetriebe, der Meister, Gesellen und Lehrlinge. Viele Handwerke, die einst in Schüttorf für Lohn und Arbeit sorgten, gibt es heute nicht mehr. Sie sind bedingt durch den technischen Fortschritt und die Entwicklung der Wirtschaft verschwunden. Andere haben sich den neuen Bedingungen angepasst und sind heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor unserer Stadt.

Soweit die nüchterne Betrachtung des Schüttorfer Handwerks. Aber es gibt auch eine sehr persönliche, menschliche Seite, der bisher leider zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Deshalb hat die Schüttorfer Geschichtswerkstatt schon vor Jahren lange Interviews mit alteingesessenen Handwerkern geführt. Diese Interviews wurden auf Tonband aufgezeichnet und später in mühevolle Arbeit in Schriftform übertragen. Herausgekommen sind hunderte Seiten ganz persönlicher Geschichten über das Leben und Arbeiten von Handwerkern. Über Aufstieg und Fall von kleinen Handwerksbetrieben. Über Mühen und Widrigkeiten. Über Krieg und Wiederaufbau. Über Stolz und Trauer, über lustige Begebenheiten.

„Wie war das früher?“ Das war die Kernfrage, die jedem Gespräch zugrunde lag. Sie zeigt uns, dass wir heute nicht mehr so viel wissen, über das Leben unserer Großväter und Großmütter. Sie macht auch deutlich, das mit dem Verschwinden der kleinen Läden und der kleinen Betriebe, auch die Erinnerung an einen Wirtschaftszweig verblasst, der über Jahre hinweg einen goldenen Boden versprach. Unsere Erzähler sind keine Protagonisten oder Persönlichkeiten der Geschichte. Sie sind ganz normale Bürger unserer Stadt, die in ihrer Zeit gelebt und sie auch verändert haben.

Das Projekt „Handwerk in Schüttorf“ hat einige Jahre geruht, weil die kleine Schar von Geschichtsinteressierten in der Geschichtswerkstatt nicht in der Lage war, das Projekt weiterzuführen und andere Aufgaben weiter oben auf der To-Do-Liste standen. Diese Verzögerung hat auch dazu geführt, das einige der „Geschichtenerzähler“ mittlerweile leider verstorben sind und viele Geschichten mit einer Gegenwart enden, die längst schon wieder Vergangenheit geworden ist. Trotzdem sind wir der Meinung, dass diese Geschichten nicht unbeachtet in einem Archiv verschwinden sollten, sondern auch heute noch sehr interessante und informative Einblicke in das Leben unserer Stadt geben können, wie es für viele Menschen vor ein oder zwei Generationen noch normaler Alltag war.

Die Geschichtswerkstatt ist im Heimatverein Schüttorf angesiedelt. Sie trifft sich jeden 1. Mittwoch im Monat um 19. Uhr in der Alten Kirchschule. Interessenten oder neugierige sind herzlich willkommen.

 

 

Sicherlich wird es den Einen oder Anderen geben, der sich an einen der Erzähler erinnert oder heute noch persönlich kennt. Die Geschichten unserer Handwerker sind ganz persönliche Erfahrungen und Erinnerungen. Sie sind deshalb von den individuellen Sichtweisen der Erzähler geprägt und erheben keinen Anspruch auf eine historisch korrekte Wiedergabe von geschichtlichen Ereignissen oder Zusammenhängen. Aber sie sind eine Schatztruhe von wertvollen individuellen Eindrücken, Erlebnissen und Einschätzungen, die uns heute helfen, das Leben unserer unmittelbaren Vorfahren besser zu verstehen. Dabei geht es nicht darum zu belegen, dass „früher alles besser“ war, sondern zu zeigen, dass noch vor wenigen Jahrzehnten vieles einfach anders war.

Wir haben die Absicht, die gesammelten Geschichten über das Handwerk in Schüttorf später in einem Buch zu veröffentlichen, das noch vor dem 725-jährigen Stadtjubiläum erscheinen soll. Wir haben uns aber entschlossen, schon vorab einzelne Geschichten in Internet einem interessierten Kreis von Mitbürgern und „Kennern der lokalen Geschichte“ zugänglich zu machen. Verknüpft mit der Hoffnung auf eine positive Resonanz, auf kritische Anmerkungen und Korrekturen von Fehlern, die uns bei der Transkription oder Überarbeitung unterlaufen sind. Wir bitte alle Leser, unsere Internetadresse weiter zu verbreiten, um weiteren Interessenten eine Möglichkeit zum Lesen und Kommentieren zu geben. Bitte kontaktieren Sie uns unter per Email

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei unserer kleinen Geschichte in Geschichten.