GERHARD MÖNNINK SCHAFTMACHER

Das Wohnhaus der Familie Mönnink in der Steinstraße 14 war bis 1934 ein altes Ackerbürgerhaus mit Wohn- und Geschäftsräumen. Neben dem Wohnhaus gab es eine große Toreinfahrt für den Zugang zu den Nebengebäuden und dem Garten. Der noch erhaltene Torbogen stammt aus dem Jahr 1818. Heinrich Mönnink war so freundlich, uns etwas über das Leben und Wirken seines Vaters Gerhard Mönning zu erzählen.

Mein Vater Gerhard erlernte nach seinem Schulabschluss das Handwerk des Schuhmachers. Sein Lehrherr war Schuhmachermeister Bernhard Funke im Singel, der Vater von Heinrich Funke. Nach der Gesellenprüfung arbeitete mein Vater in Osnabrück und Syke bei Bremen. In dieser Zeit machte er auch eine Fortbildung zum Schaftmacher.

Schaftmacher war ein sehr interessanter Beruf, denn als Schaftmacher fertigte man die Oberteile der Schuhe, den so genannten Schuhschaft, noch nach Maß an. Schaftmacher war für meinen Vater jedoch nur ein weiterer Schritt hin zu seinem eigentlichen Traumberuf. Er wollte unbedingt Schaftmodelleur (heute nennt man das jawohl Schuh-Designer) werden und in einer großen Schuhfabrik arbeiten. Doch der 1. Weltkrieg machte meinem Vater einen Strich durch die Rechnung. Sein Bruder, der eigentlich das Geschäft in Schüttorf übernehmen sollte, kehrte aus dem Krieg nicht zurück. So musste mein Vater nach Hause zurückkehren und die Stelle seines Bruders im elterlichen Geschäft einnehmen. Neben dem Ledergeschäft hatten wir damals auch einen gutgehenden Kohlenhandel.

Leder liefern bis nach Emlichheim

Mit dem Einstieg meines Vaters ins elterliche Geschäft wurde der Lederwarengroßhandel für Schuhmacherbetriebe ausgebaut. So besuchten wir fast alle Schuhmacherwerkstätten in der Grafschaft Bentheim und boten ihnen die Rohlederwaren der uns bekannten Lederfabriken an. Da bei uns durch den Kohlenhandel Pferde und Wagen vorhanden waren, konnten wir auch weiter entfernte Kunden bis hin nach Emlichheim bedienen. Dafür hatten wir kurzerhand den Kohlenwagen in einen Planwagen umgebaut. So konnte die Ware trocken und sauber an die Schuhmacher geliefert werden.

Lange Zeit hatten wir nur Leder im Angebot, später kam dann noch Gummi hinzu. Bei den Lieferfahrten über Land durfte ich manchmal mitfahren. Dabei lernte ich fast alle Schuhmachermeister in der Grafschaft kennen.

Für Leute, die auf großem Fuß leben

Da mein Vater ja Schaftmacher war, fertigten wir für unsere Kunden neben Schuhen mit normalen Schäften auch noch Gesundheitsschuhe (Orthopädische Schuhe) an. Wir arbeiteten vor allem mit dem Schuhmachermeister Büter im Singel (heute Gästehaus Tini) zusammen. Schuhmachermeister Büter hatte viele Kunden, die wohl auf sehr großem Fuß lebten. Für sie brauchte er Schuhe in den Größen 50, 51 und sogar 52. Für diese Sonderanfertigungen lieferten wir Büter die passenden Schäfte, die bei uns komplett in Handarbeit hergestellt wurden. Schuhmachermeister Büter hatte die entsprechend großen Leisten. Über diesen Leisten wurde der Schaft gezogen und mit Pechdraht an die Brandsohle genäht. Erst später wurde der Schaft mit der Brandsohle verklebt, was eine große Zeitersparnis für die Herstellung der Schuhe bedeutete.

Über die damals verwendeten Ledersorten gibt es auch noch Interessantes zu berichten. Das Oberleder der Schuhe stammte überwiegend aus gegerbten Kuh- oder Rinderfellen. Für die Verarbeitung wurde die Fleischseite des Felles sauber abgeschabt und die Hautseite enthaart. So blieb die Hautseite farblos. Auf die gleiche Weise wurde auch das Leder für die Sohlen angefertigt. Jedoch nahm man dafür besonders dickes Kuhfell, das mindestens 5 mm dick war.

 

 

ENDE

 

Fotos: privat/Heimatverein. Das Foto auf Seite 1 zeigt Heinrich Mönnink

 

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